Rapunzels erstes Drama-Video

Rapunzel saß in ihrem perfekt ausgeleuchteten Zimmer, das Handy vor sich auf einem Ringlicht-Stativ. Sie hatte sich extra einen dunkleren Filter ausgesucht, um ein wenig blasser und müder auszusehen – nicht zu viel, aber gerade genug, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Hinter ihr flackerte eine einzelne Kerze. Der Look? Emotionaler Zusammenbruch, aber ästhetisch. Sie atmete tief durch, sah sich selbst im Bildschirm an und drückte auf Aufnahme. Dann wartete sie genau drei Sekunden – ein perfektes Timing für maximale Dramatik. »Hey Leute«, begann sie mit einem schweren Seufzer. »Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll.« Jeder Influencer hatte irgendwann diesen einen Moment, in dem das Image ins Wanken geriet. Und jeder wusste: Es gab nur eine Möglichkeit, es zu retten. Nicht irgendeins. Es musste authentisch wirken, verletzlich sein, aber gleichzeitig die Kontrolle behalten. Gothel hatte es ihr oft genug eingebläut: »Liebes, die Leute wollen deine Tränen – aber sie wollen, dass du dabei immer noch schön aussiehst.«

Rapunzel hatte sich lange gegen diesen Moment gewehrt. Aber jetzt? Nach dem PR-Skandal, nach dem Follower-Einbruch, nach dem ewigen Hin und Her mit Theodor? Jetzt musste sie die Karte spielen. Sie sah direkt in die Kamera. »Ich weiß, dass viele von euch enttäuscht von mir sind«, sagte sie langsam. »Und ich verstehe das. Ich verstehe, dass es sich so anfühlt, als hätte ich euch angelogen.« Sie ließ die Worte sacken, bevor sie weitersprach.

»Aber ich will ehrlich mit euch sein. Ich bin nicht perfekt. Und vielleicht… war ich es auch nie.« Die Kommentare explodierten bereits. »Omg sie weint fast« »Sie wirkt so echt… vielleicht war das alles nur ein Missverständnis?«

»Ich hab Gänsehaut.« Perfekt. Jetzt kam der entscheidende Moment. Rapunzel biss sich auf die Lippe, als würde sie kämpfen, um die Fassung zu bewahren. Dann senkte sie den Blick, als hätte sie sich das alles genau überlegt. »Ich habe mein Leben lang versucht, einem Bild zu entsprechen«, sagte sie leise. »Ich dachte, wenn ich perfekt bin, dann werde ich geliebt. Aber die Wahrheit ist… ich bin genauso unsicher wie ihr alle.« BOOM. Das war es. Der Moment, in dem das Publikum kippte. Jetzt würden die Leute nicht mehr nur über ihre Lügen sprechen – sie würden über ihre Menschlichkeit sprechen. Sie schluckte schwer und sah wieder in die Kamera. »Ich will mich nicht verstecken. Ich will nicht so tun, als wäre alles okay, wenn es das nicht ist.« Sie hielt einen Moment inne. Dann blinzelte sie einmal – und eine einzige Träne rollte über ihre Wange.

DAS war der Money Shot. Nicht zu viele Tränen. Keine unkontrollierte Heulerei. Nur eine Träne. Genau genug, um verletzlich zu wirken, aber nicht so viel, dass sie Mitleid erbettelte.

»ICH VERZEIHE IHR!« – schrieb jemand in den Kommentaren. Andere folgten. »Leute, stellt euch vor, wie schwer das für sie sein muss…« »Egal was war, sie bleibt unsere Rapunzel. #StayStrongPunzel« Rapunzel atmete tief durch und wischte sich über die Wange. »Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt«, sagte sie, »aber ich weiß, dass ich euch die Wahrheit schulde. Und dass ich von jetzt an… einfach ich sein werde.« Ein leises Lächeln, ein Hauch von Hoffnung in den Augen. Dann der finale Satz: »Danke, dass ihr mir zuhört.« Sie stoppte die Aufnahme. Sofort lud sie das Video hoch. Dann lehnte sie sich zurück, schloss die Augen und wartete.

Fünf Minuten später: Das Video war überall. Zehn Minuten später: #WeLoveYouRapunzel war in den Trends. Eine Stunde später: Erste Artikel über ihren »mutigen Schritt in die Ehrlichkeit«. Sie lächelte leicht. Das Spiel war noch nicht vorbei. Hashtag #ComebackIncoming. Hashtag #PerfektesDrama.

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