»Die Entscheidung, Lucian zu konfrontieren, ließ die Anspannung in der Luft förmlich knistern. Kael bereitete uns vor, als ob wir in eine Schlacht zogen – und das waren wir auch. Lucian war kein gewöhnlicher Feind. Er war gefährlich, weil er die Dunkelheit verstand, sie in eine Waffe verwandeln konnte, die nicht nur mich, sondern uns alle zerstören könnte.
Doch ich wusste, dass ich nicht mehr die gleiche war wie zuvor. Die Dunkelheit war nicht länger ein Fremder in mir. Sie war ein Teil von mir geworden, und ich war entschlossen, sie zu beherrschen.
› Eine Karte zur Finsternis
Kael führte uns tief in die Wälder von Hollow Falls, an einen Ort, den niemand außer den Blackwoods zu kennen schien. Der Pfad war schwer zu erkennen, überwuchert von alten, knorrigen Wurzeln, die sich wie Finger aus dem Boden streckten.
‚Lucian wird sich dort verstecken, wo die Dunkelheit am stärksten ist,‘ erklärte Kael, während wir durch die Dunkelheit marschierten. ‚Das ist nicht nur ein Versteck – es ist eine Falle. Er wird versuchen, dich zu manipulieren, Sophie.‘
‚Er hat es schon versucht,‘ erwiderte ich, meine Stimme ruhig. ‚Und es hat nicht funktioniert.‘
Nathan warf mir einen skeptischen Blick zu. ‚Sei dir da nicht zu sicher. Lucian ist schlauer, als wir denken.‘
Helena, die sich bisher zurückgehalten hatte, fügte hinzu: ‚Es ist nicht seine Intelligenz, die ihn gefährlich macht. Es ist seine Fähigkeit, die Dunkelheit zu verdrehen – sie gegen uns zu verwenden.‘
› Die Festung der Schatten
Nach Stunden des Marsches erreichten wir unser Ziel: eine alte, verfallene Ruine, die in einem Tal lag, umgeben von Felsen und dichten Bäumen. Die Luft war schwer und kalt, und die Dunkelheit war hier so dicht, dass sie fast greifbar wirkte.
‚Das ist der Ort,‘ sagte Kael, als er vor der Ruine stehen blieb.
Ich spürte, wie die Dunkelheit in mir reagierte, sich regte, als ob sie den Ort wiedererkannte. Es war ein seltsames, unangenehmes Gefühl, als würde ich nach Hause kommen – aber es war kein Zuhause, das ich je gekannt hatte.
‚Er ist da drin,‘ sagte Nathan, seine Augen prüften die Schatten, die aus der Ruine krochen.
Kael nickte. ‚Und er wartet auf uns.‘
› Ein gefährliches Angebot
Wir traten in die Ruine ein, unsere Schritte hallten in der Stille wider. Die Schatten bewegten sich, als hätten sie ein Eigenleben, und ich spürte, wie sie mich berührten, sich an mich klammerten, als wollten sie mich willkommen heißen.
Dann hörte ich ihn: Lucians Stimme, die aus der Dunkelheit drang.
‚Sophie,‘ sagte er, sein Ton ruhig und fast freundlich. ‚Du bist endlich gekommen.‘
Ich blieb stehen, suchte mit meinen Augen nach ihm, doch er blieb unsichtbar, verborgen in den Schatten.
‚Ich bin nicht hier, um zu reden,‘ sagte ich fest.
Lucian lachte leise. ‚Aber reden ist so viel interessanter als kämpfen, findest du nicht? Ich habe dir ein Angebot gemacht, Sophie. Und ich denke, tief in deinem Inneren weißt du, dass es das Richtige ist.‘
Ich ballte die Fäuste, die Dunkelheit in mir regte sich erneut, doch dieses Mal hielt ich sie zurück. ‚Ich werde niemals zulassen, dass du die Dunkelheit für deine Zwecke benutzt.‘
‚Oh, Sophie,‘ sagte er, seine Stimme klang nun trauriger. ‚Du verstehst es noch immer nicht. Ich will sie nicht benutzen – ich will sie befreien. Und du bist der Schlüssel dazu.‘
› Ein Kampf entbrennt
Plötzlich schossen die Schatten um uns herum nach vorne, und Lucian trat aus der Dunkelheit hervor. Seine Augen glühten vor Macht, und seine Gestalt war größer und bedrohlicher, als ich sie in Erinnerung hatte.
Kael sprang sofort nach vorne, sein Schwert zog eine leuchtende Spur durch die Dunkelheit, während Nathan und Helena die Schatten mit ihrer eigenen Magie bekämpften.
Lucian richtete seine Aufmerksamkeit auf mich, seine Hände waren von Dunkelheit umhüllt. ‚Du kannst nicht gegen sie kämpfen, Sophie,‘ sagte er, während er einen Schattenstrahl auf mich schleuderte.
Doch ich war bereit. Die Dunkelheit in mir antwortete, formte sich zu einem Schild, der den Angriff abwehrte. ‚Ich kämpfe nicht gegen sie,‘ sagte ich ruhig. ‚Ich bin ihre Herrin.‘
Lucian lächelte schwach, doch ich konnte sehen, dass er überrascht war. ‚Dann zeig mir, was du kannst.‘
› Die Dunkelheit gehört mir
Der Kampf wurde intensiver, die Ruine bebte unter der Macht der aufeinanderprallenden Kräfte. Doch ich spürte, wie ich stärker wurde, wie die Dunkelheit in mir mit jedem Angriff gehorchte.
Schließlich stand ich Lucian direkt gegenüber. ‚Es ist vorbei,‘ sagte ich, meine Stimme ruhig, aber bestimmt.
Lucian sah mich an, und für einen Moment wirkte er fast... enttäuscht. ‚Vielleicht hast du recht, Sophie. Vielleicht gehörst du wirklich zur Dunkelheit.‘
Mit diesen Worten verschwand er in den Schatten, und die Ruine wurde still.
› Ein neuer Anfang
Als wir die Ruine verließen, war ich erschöpft, aber auch entschlossen. Ich wusste, dass Lucian nicht aufgegeben hatte – er würde zurückkommen. Doch ich war bereit.
Nathan legte eine Hand auf meine Schulter, seine Augen waren voller Stolz und Erleichterung. ‚Du hast es geschafft.‘
Kael nickte, doch sein Blick blieb ernst. ‚Der Kampf ist noch nicht vorbei, Sophie. Aber du hast heute bewiesen, dass du mehr bist, als ich erwartet habe.‘
Ich sah zu dem Wald zurück, der die Ruine umgab. Die Dunkelheit war noch immer in mir, lebendig und mächtig. Doch ich wusste, dass ich sie beherrschen konnte.
Lucian mochte denken, dass ich der Schlüssel war. Doch ich würde entscheiden, wohin dieser Schlüssel führte.«
***Laden Sie NovelToon herunter, um ein besseres Leseerlebnis zu genießen!***
18 Episoden aktualisiert
Comments