Der Wächter

»Kael war ein Rätsel. Seine Präsenz war beruhigend und bedrohlich zugleich, und obwohl er behauptete, ein Verbündeter zu sein, blieb ein Teil von mir misstrauisch. Die Wächter waren Legenden – Wesen, die zwischen den Welten wandelten und die Balance hielten. Aber warum war er jetzt hier, und warum interessierte er sich für mich?

Nathan traute ihm nicht. Seine Anspannung war fast greifbar, als Kael im Blackwood-Anwesen an unserem großen Tisch saß, die Arme verschränkt und eine Miene aufgesetzt, die nichts von seinen Gedanken verriet.

‚Warum bist du wirklich hier?‘ fragte Nathan schließlich, seine Stimme kalt.

Kael sah ihn ruhig an. ‚Ich habe es dir gesagt. Die Dunkelheit in Sophie hat ein Gleichgewicht gestört. Wenn sie die Kontrolle verliert, wird sie nicht nur Lucians Ziel sein – sie wird das Ziel von allen werden, die die Dunkelheit fürchten.‘

› Helena macht einen Vorschlag

Helena beobachtete Kael mit prüfendem Blick, bevor sie sprach. ‚Wenn du wirklich hier bist, um zu helfen, Wächter, dann wirst du Sophie trainieren.‘

Ich sah sie überrascht an. ‚Trainieren?‘

Helena nickte. ‚Kael hat recht. Die Dunkelheit ist unberechenbar, Sophie. Du hast sie angenommen, aber das bedeutet nicht, dass du sie beherrschst. Wenn du nicht lernst, mit ihr umzugehen, wird sie dich irgendwann übernehmen.‘

Kael lehnte sich zurück, sein Blick unverändert. ‚Ich werde ihr helfen, aber nur unter einer Bedingung: Sie muss bereit sein, alles zu opfern, um die Dunkelheit zu kontrollieren.‘

‚Alles?‘ fragte Nathan, seine Stimme schneidend.

Kael nickte. ‚Die Dunkelheit ist kein Werkzeug. Sie ist eine Macht, die sich ihrem Träger unterwirft – oder ihn zerstört. Wenn Sophie scheitert, wird sie niemand retten können.‘

Ich schluckte schwer. Die Last seiner Worte war spürbar, aber ich wusste, dass ich keine Wahl hatte. ‚Ich bin bereit,‘ sagte ich schließlich.

› Die erste Lektion

Kael führte mich am nächsten Tag in die Wälder, fernab von neugierigen Blicken. Nathan wollte mitkommen, doch Kael bestand darauf, dass ich allein war.

‚Die Dunkelheit in dir reagiert auf deine Ängste,‘ erklärte Kael, während wir auf einer Lichtung standen. ‚Um sie zu kontrollieren, musst du dich diesen Ängsten stellen.‘

‚Und wie mache ich das?‘ fragte ich.

Kael hob eine Hand, und plötzlich wurde die Luft schwer. Die Schatten um uns herum bewegten sich, verdichteten sich, bis sie eine undurchdringliche Wand bildeten. ‚Indem du dich in die Dunkelheit begibst und herausfindest, was sie dir zeigt.‘

‚Das klingt gefährlich,‘ sagte ich.

‚Es ist gefährlich,‘ entgegnete er. ‚Aber wenn du nicht bereit bist, es zu tun, wirst du niemals Kontrolle über sie haben.‘

Ich atmete tief durch und trat in die Schatten.

› Die Dunkelheit zeigt ihr Gesicht

Die Welt um mich herum veränderte sich, als ich die Schatten betrat. Es war, als würde ich durch eine andere Realität gehen – eine, die von der Dunkelheit beherrscht wurde. Die Luft war still, und doch hörte ich Flüstern, das aus allen Richtungen kam.

Dann sah ich sie: Gestalten, die wie Abbilder meiner selbst aussahen, aber ihre Gesichter waren verzerrt, ihre Augen leer.

‚Du bist schwach,‘ flüsterte eine der Gestalten, ihre Stimme kalt. ‚Du wirst sie enttäuschen.‘

‚Du kannst die Dunkelheit nicht kontrollieren,‘ sagte eine andere. ‚Sie wird dich zerstören.‘

Ich wollte weglaufen, doch ich wusste, dass das keine Option war. Stattdessen ballte ich die Hände zu Fäusten und rief die Dunkelheit in mir. Die Schatten um mich herum zogen sich zurück, als ich sie anwies, die Abbilder zu zerstören.

‚Ich bin nicht schwach,‘ sagte ich laut. ‚Ich bin die Trägerin der Dunkelheit, und ich werde sie beherrschen.‘

Die Abbilder verschwanden, und die Schatten um mich herum wurden ruhig. Ich spürte, dass ich einen kleinen Sieg errungen hatte, doch die Dunkelheit war noch lange nicht gezähmt.

› Kael‘ Urteil

Als ich aus den Schatten trat, stand Kael dort und musterte mich mit einem undeutbaren Blick.

‚Nicht schlecht,‘ sagte er. ‚Aber das war erst der Anfang. Die Dunkelheit hat dir nur gezeigt, was du sehen solltest. Es wird härter werden.‘

Ich nickte, noch immer zitternd von der Erfahrung. ‚Ich bin bereit.‘

Kael musterte mich noch einen Moment, dann sagte er: ‚Das hoffe ich, Sophie. Denn wenn du versagst, wird niemand in der Lage sein, dich zu retten. Nicht Nathan, nicht Helena – niemand.‘

› Eine neue Bedrohung

Später an diesem Abend spürte ich die Dunkelheit in mir wie eine Welle, die sich aufbaute. Sie war nicht feindselig, doch sie forderte mich heraus, sie zu akzeptieren – alles von ihr, ohne Angst.

Nathan wartete auf mich, als ich ins Blackwood-Anwesen zurückkehrte. Seine Augen waren voller Sorge. ‚Was hat er mit dir gemacht?‘

‚Er hat mir gezeigt, wie ich mit der Dunkelheit umgehen kann,‘ sagte ich.

‚Und?‘ fragte er.

Ich sah ihn fest an. ‚Und ich werde sie beherrschen. Egal, was es kostet.‘

Nathan schwieg, doch ich spürte, dass er nicht überzeugt war.

› Ein neues Ziel

Kael rief uns alle zusammen, kurz bevor die Nacht hereinbrach. ‚Lucian wird nicht warten,‘ sagte er. ‚Er weiß, dass Sophie stärker wird, und er wird versuchen, sie zu brechen, bevor sie die Kontrolle hat.‘

‚Dann lassen wir ihn nicht warten,‘ sagte ich fest.

Kael nickte. ‚Gut. Wir werden ihn finden. Und wenn es nötig ist, werden wir ihn vernichten.‘

Die Dunkelheit in mir pulsierte bei seinen Worten, und ich wusste, dass der Kampf näher rückte. Doch dieses Mal fühlte ich mich bereit.

Lucian würde kommen – und ich würde ihm zeigen, dass ich kein Werkzeug der Dunkelheit war. Ich war ihre Herrin.«

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