Die Geburt der Dunkelheit

»Die Luft in der Höhle war kühl und schwer, erfüllt von einem schwachen, pulsierenden Geräusch, das wie ein Herzschlag klang. Mit jedem Schritt tiefer in die Dunkelheit spürte ich, wie die Schatten sich enger um mich legten. Es war, als würde die Dunkelheit mich willkommen heißen – oder mich verschlingen wollen.

Lucian ging voran, seine Schritte lautlos, als ob er mit der Höhle eins wäre. Er drehte sich kurz zu mir um, seine Augen glühten schwach im Halbdunkel. ‚Du fühlst es, nicht wahr? Die Dunkelheit ruft nach dir.‘

‚Ich fühle sie,‘ sagte ich, meine Stimme klang fester, als ich mich fühlte. ‚Aber ich weiß nicht, warum.‘

Lucian lächelte. ‚Das wirst du bald verstehen.‘

› Der Kern der Dunkelheit

Wir erreichten eine große Kammer, deren Wände von dunklem, glitzerndem Stein bedeckt waren. In der Mitte der Kammer befand sich ein schwarzer, pulsierender Kristall, der von einer unheimlichen Energie umgeben war.

‚Das ist der Ursprung,‘ sagte Lucian, während er auf den Kristall zeigte. ‚Hier wurde die Dunkelheit geboren. Sie ist lebendig, Sophie – ein Wesen, das sich Träger sucht, um durch sie zu existieren.‘

Ich trat näher an den Kristall heran, spürte die Wärme und Kälte, die von ihm ausgingen. Es war, als würde die Dunkelheit in mir auf die Energie des Kristalls reagieren, sich mit ihm verbinden wollen.

‚Und was hat das mit mir zu tun?‘ fragte ich, ohne den Blick von dem Kristall zu lösen.

Lucian trat neben mich. ‚Du bist anders, Sophie. Die Dunkelheit hat dich nicht nur gewählt – sie hat dich auserwählt. Du bist mehr als ein Träger. Du bist der Schlüssel, um sie vollständig zu entfesseln.‘

› Eine gefährliche Wahl

Ich wich zurück, meine Gedanken rasten. ‚Entfesseln? Was bedeutet das?‘

Lucians Stimme war ruhig, aber eindringlich. ‚Du kannst die Dunkelheit zu etwas Größerem machen. Sie kontrollieren, sie beherrschen, sie in ihre wahre Form zurückführen. Aber dafür musst du sie vollständig akzeptieren.‘

‚Und was passiert, wenn ich das tue?‘ fragte ich.

Lucian lächelte schwach. ‚Dann wirst du die mächtigste Kraft auf dieser Welt sein. Aber du musst dich entscheiden. Niemand kann dir diese Wahl abnehmen.‘

Ich spürte, wie die Dunkelheit in mir wogte, als hätte sie Lucians Worte gehört und reagierte. Ein Teil von mir war versucht – die Vorstellung, die Dunkelheit zu kontrollieren, war verlockend. Doch ein anderer Teil warnte mich: War diese Macht es wert, meine Menschlichkeit zu riskieren?

› Nathan greift ein

Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir, und bevor ich mich umdrehen konnte, stand Nathan in der Höhle. Sein Gesicht war eine Maske aus Entschlossenheit und Zorn.

‚Sophie, geh weg von ihm,‘ sagte er, seine Stimme war scharf wie eine Klinge.

Lucian drehte sich langsam zu ihm um, ein amüsiertes Lächeln auf seinem Gesicht. ‚Ah, Nathan. Immer der Beschützer. Aber diesmal kann sie sich nicht verstecken. Sie hat eine Wahl zu treffen.‘

Nathan ignorierte ihn und sah mich an. ‚Sophie, hör mir zu. Was auch immer er dir gesagt hat, er lügt. Die Dunkelheit ist nicht deine Freundin. Sie wird dich zerstören, wenn du sie annimmst.‘

Ich zögerte, zwischen Nathan und Lucian hin- und hergerissen. ‚Aber was, wenn er recht hat, Nathan? Was, wenn ich sie kontrollieren kann?‘

‚Du kannst sie nicht kontrollieren,‘ sagte Nathan. ‚Niemand kann das. Sie wird dich übernehmen, und du wirst nicht mehr du selbst sein.‘

› Ein Kampf entbrennt

Bevor ich mich entscheiden konnte, sprang Lucian nach vorne. Mit einer schnellen Bewegung schuf er eine Barriere aus Dunkelheit, die Nathan von uns trennte.

‚Du kannst nicht immer alles beschützen, Nathan,‘ sagte Lucian kalt. ‚Manchmal müssen die Dinge ihren Lauf nehmen.‘

Nathan stieß gegen die Barriere, doch sie hielt stand. ‚Sophie, lass ihn nicht in deinen Kopf!‘ rief er.

Lucian drehte sich zu mir um, sein Blick intensiv. ‚Die Wahl liegt bei dir, Sophie. Nimm die Dunkelheit an, und ich zeige dir, was du wirklich sein kannst. Oder bleib in der Angst gefangen, und sie wird dich trotzdem finden.‘

› Die Dunkelheit entscheidet

Die Dunkelheit in mir pulsierte stärker, als ob sie selbst auf die Entscheidung drängte. Meine Gedanken wirbelten, und ich spürte, wie die Energie des Kristalls sich mit meiner verband.

Ich sah zu Nathan, dann zu Lucian. Schließlich hob ich die Hände und spürte, wie die Dunkelheit aus mir hervorbrach. Doch sie war nicht wild oder unkontrolliert – sie war ein Teil von mir, und ich wusste, dass ich sie lenken konnte.

Mit einer einzigen Bewegung zerstörte ich Lucians Barriere, ließ die Dunkelheit verschwinden und stellte mich ihm entgegen.

‚Ich treffe meine eigene Entscheidung,‘ sagte ich fest.

Lucians Lächeln verblasste, und für einen Moment sah ich etwas in seinen Augen – Respekt, vielleicht sogar Furcht. Dann drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit der Höhle.

› Ein neuer Weg

Nathan trat neben mich, seine Augen suchten die meinen. ‚Was hast du getan, Sophie?‘

Ich atmete tief durch und sah zu dem Kristall, der jetzt still war. ‚Ich habe die Dunkelheit akzeptiert. Aber ich habe sie nicht Lucian gegeben. Sie gehört mir – und niemandem sonst.‘

Nathan wirkte besorgt, aber auch stolz. ‚Dann musst du lernen, mit ihr zu leben.‘

Ich wusste, dass er recht hatte. Die Dunkelheit war ein Teil von mir, und sie würde es immer sein. Aber ich hatte sie gewählt, und ich würde sie kontrollieren.

Als wir die Höhle verließen, spürte ich, dass ein neuer Abschnitt begonnen hatte. Die Dunkelheit war nicht mehr mein Feind – sie war meine Stärke.«

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