»Nach dem Angriff war nichts mehr wie zuvor. Mein Zuhause, einst ein Ort der Sicherheit, fühlte sich plötzlich wie ein Käfig an, umgeben von unsichtbaren Augen, die mich beobachteten. Die Dunkelheit war erwacht, und mit ihr kamen die Jäger – Wesen, die Nathan als uralte Feinde seiner Familie beschrieben hatte.
Ich wusste, dass es keine Rückkehr in mein altes Leben gab. Doch anstatt Angst zu verspüren, keimte in mir ein neuer Gedanke: Wenn ich die Dunkelheit kontrollieren konnte, dann würde ich mich verteidigen.
› Ein geheimes Training
Nathan hielt sein Versprechen. Bereits am nächsten Morgen führte er mich zu einer versteckten Lichtung tief im Wald, die von hohen Bäumen und dichtem Unterholz abgeschirmt war.
‚Hier wird uns niemand stören,‘ sagte er, während er die Umgebung prüfte.
‚Wirst du mir beibringen, wie ich die Dunkelheit kontrollieren kann?‘ fragte ich, während ich nervös mit meinen Händen spielte.
‚Ja,‘ antwortete Nathan und wandte sich mir zu. ‚Aber das wird nicht einfach. Die Dunkelheit ist mächtig, Sophie, aber sie ist auch wild. Sie wird dich testen.‘
‚Ich bin bereit,‘ sagte ich, obwohl mein Herz raste.
Nathan nickte. ‚Gut. Dann lass uns anfangen.‘
› Die erste Lektion
Nathan ließ mich die Augen schließen und meine Atmung verlangsamen. ‚Die Dunkelheit ist wie ein Teil von dir,‘ erklärte er. ‚Sie reagiert auf deine Gedanken, auf deine Gefühle. Aber du musst sie führen, sonst wird sie dich überrollen.‘
Ich spürte, wie die Dunkelheit in mir erwachte – ein sanftes Pulsieren, das sich mit jedem Atemzug verstärkte. Zuerst war es wie ein Flüstern, leise und schwer zu greifen, doch dann fühlte ich, wie sie sich ausbreitete, meine Fingerspitzen erreichte und schließlich um mich herum wogte.
‚Konzentrier dich, Sophie,‘ sagte Nathan leise. ‚Lenke sie.‘
Ich hob die Hände und versuchte, die Dunkelheit zu formen, doch sie brach unkontrolliert aus mir hervor und schoss in alle Richtungen. Nathan wich schnell zurück, während die Schatten um ihn herumschwappten.
‚Langsam,‘ rief er. ‚Nicht mit Gewalt – mit Fokus.‘
Ich atmete tief durch und versuchte es erneut. Diesmal war es besser. Die Dunkelheit gehorchte mir, wenn auch zögerlich. Ich schuf eine kleine, wirbelnde Gestalt vor mir, bevor sie sich auflöste.
Nathan lächelte leicht. ‚Das war ein Anfang. Aber es wird Zeit brauchen.‘
› Helena warnt
Als wir zur Dämmerung ins Blackwood-Anwesen zurückkehrten, wartete Helena bereits auf uns. Ihre Augen funkelten mit einer Mischung aus Sorge und Strenge.
‚Das war gefährlich, Nathan,‘ sagte sie, während sie ihn musterte. ‚Du hättest sie nicht so früh üben lassen sollen.‘
‚Sie muss lernen,‘ entgegnete Nathan. ‚Die Jäger werden nicht warten, bis sie bereit ist.‘
Helena wandte sich zu mir. ‚Hör mir zu, Sophie. Die Dunkelheit in dir wird stärker werden, aber sie wird dich auch angreifen. Sie wird deine tiefsten Ängste und Schwächen nutzen, um die Kontrolle zu übernehmen. Du darfst ihr nicht nachgeben.‘
‚Ich werde nicht,‘ sagte ich fest.
Helena nickte, doch ihre Miene blieb ernst. ‚Wir werden sehen.‘
› Ein neuer Angriff
In der folgenden Nacht geschah es wieder. Ich lag wach und starrte aus meinem Fenster, als ich plötzlich das Geräusch von Schritten hörte – schwer und bedrohlich, wie das Knurren eines Raubtieres.
Ich sprang auf und riss die Vorhänge auf. Draußen im Garten bewegte sich eine Gestalt, größer und unheimlicher als alles, was ich je gesehen hatte. Ihre Augen glühten wie Kohlen in der Dunkelheit.
Noch bevor ich schreien konnte, stand Nathan in meinem Zimmer. Er packte meine Hand und zog mich nach draußen. ‚Sie sind wieder hier,‘ sagte er knapp.
Draußen wartete bereits Helena, und diesmal war ihre Haltung alles andere als ruhig. ‚Bleib hinter mir, Sophie,‘ sagte sie, und ich konnte spüren, wie die Dunkelheit um sie herum wogte, bereit, sich auf ihre Gegner zu stürzen.
Die Kreatur griff an, ihre Bewegungen schnell und gnadenlos. Doch Helena war noch schneller. Mit einer Geste ließ sie die Schatten um sich herum explodieren, und die Kreatur wich zurück, ihr wütendes Brüllen hallte durch die Nacht.
Ich spürte, wie die Dunkelheit in mir erwachte, als ob sie auf den Kampf reagierte. Doch diesmal ließ ich sie nicht einfach übernehmen. Mit Nathan an meiner Seite formte ich die Schatten und schleuderte sie auf die Kreatur.
› Ein neuer Feind
Nach einem intensiven Kampf zog sich die Kreatur schließlich zurück, verschwand in der Dunkelheit des Waldes. Helena atmete schwer und wandte sich zu mir um.
‚Das war ein Jäger,‘ sagte sie. ‚Aber nicht irgendeiner. Das war ein Vorbote. Sie wissen jetzt, dass du hier bist, Sophie. Und sie werden nicht aufgeben.‘
Ich spürte eine Mischung aus Angst und Entschlossenheit in mir aufsteigen. ‚Dann werde ich kämpfen. Ich werde nicht zulassen, dass sie mich zerstören.‘
Helena sah mich lange an, bevor sie nickte. ‚Gut. Aber das ist erst der Anfang.‘
Nathan trat neben mich und legte eine Hand auf meine Schulter. ‚Wir stehen das gemeinsam durch, Sophie. Ich werde immer an deiner Seite sein.‘
Ich wusste, dass der Weg vor mir gefährlich und ungewiss war. Doch ich war bereit, ihn zu gehen – mit der Dunkelheit in mir und der Stärke, die sie mir gab.«
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