»Die Tage nach meinem Treffen mit Nathan waren geprägt von einer unruhigen Spannung. Sein Versprechen, mich zu beschützen, hallte in meinem Kopf nach, doch es war die Andeutung, dass seine Familie gefährlich sei, die mich nicht schlafen ließ.
Wer waren die Blackwoods wirklich? Und warum hatte ich das Gefühl, dass die gesamte Stadt ein Geheimnis um sie machte.
› Die Fragen häufen sich
‚Du siehst aus, als hättest du die ganze Nacht nicht geschlafen,‘ sagte Emma, als wir uns in der Cafeteria trafen.
‚Vielleicht, weil das stimmt,‘ murmelte ich und rührte gedankenverloren in meinem Joghurt.
Emma beugte sich vor. ‚Geht es wieder um Nathan?‘
Ich sah sie an und zögerte. ‚Hast du jemals etwas… Seltsames über die Blackwoods gehört?‘
Emma biss sich auf die Lippe. ‚Mehr als du dir vorstellen kannst. Aber niemand spricht wirklich darüber. Es ist, als würde eine unsichtbare Regel jeden davon abhalten, Fragen zu stellen.‘
‚Aber du stellst Fragen.‘
Emma zuckte mit den Schultern. ‚Vielleicht bin ich zu neugierig für mein eigenes Wohl. Aber du solltest vorsichtig sein, Sophie. Wenn du zu tief gräbst, kannst du Dinge finden, die du lieber nicht wissen willst.‘
Ich wollte widersprechen, doch in diesem Moment fiel mein Blick auf Nathan, der durch den Raum ging. Wie immer schien niemand ihm zu nahe kommen zu wollen, doch seine Augen suchten meinen Blick – und als sie mich fanden, blieb ich wie erstarrt.
› Eine Einladung der besonderen Art
Nach der Schule wartete Nathan an meinem Spind. Seine Haltung war wie immer lässig, doch seine Augen wirkten ernster als zuvor.
‚Wir müssen reden,‘ sagte er, bevor ich etwas sagen konnte.
‚Über was?‘ fragte ich und schloss meinen Spind.
‚Heute Abend,‘ sagte er. ‚Meine Familie will dich kennenlernen.‘
Ich blieb stehen, als hätte ich mich verhört. ‚Deine Familie? Warum?‘
Nathan zögerte. ‚Sie wissen, dass wir gesprochen haben. Und in unserer Welt gibt es keine Geheimnisse.‘
‚Deiner Welt?‘ fragte ich.
Er sah mich an, und in seinen Augen lag eine Schwere, die mich verstummen ließ. ‚Komm heute Abend zum Anwesen der Blackwoods. Ich hole dich ab.‘
› Das Anwesen der Blackwoods
Das Blackwood-Anwesen lag am Rande der Stadt, verborgen hinter einem dichten Wald aus uralten Bäumen. Als Nathan mich abholte und wir den Weg hinauffuhren, fühlte ich mich, als würde ich eine unsichtbare Grenze überschreiten.
Das Haus selbst war riesig, alt und von einer unheimlichen Schönheit. Dunkle Fenster starrten in die Nacht, und die schweren Türen öffneten sich mit einem langgezogenen Knarren.
‚Willkommen,‘ sagte eine Frau mit tiefschwarzen Haaren und scharfen Gesichtszügen, die am Eingang stand. Ihre Augen musterten mich mit einer Intensität, die mich schaudern ließ. ‚Du musst Sophie sein.‘
‚Ja,‘ sagte ich unsicher.
‚Ich bin Helena Blackwood,‘ sagte sie und bedeutete mir, einzutreten.
Drinnen war es still, fast zu still. Die Luft war schwer, und ich spürte, dass jede Bewegung beobachtet wurde.
› Ein Abend voller Andeutungen
Helena führte mich in einen großen Raum, wo bereits zwei weitere Personen warteten: ein Mann mit grauem Haar, der Autorität ausstrahlte, und ein Mädchen, das Nathan ähnlich sah – seine Schwester, wie ich später erfuhr.
‚Sophie,‘ sagte der Mann, während er aufstand. ‚Ich bin Victor Blackwood. Wir haben viel über dich gehört.‘
‚Von Nathan?‘ fragte ich und warf Nathan einen fragenden Blick zu.
Victor lächelte dünn. ‚Nathan spricht selten über Außenstehende. Aber du scheinst eine Ausnahme zu sein.‘
Die Bemerkung ließ meine Wangen heiß werden, doch ich sagte nichts.
Der Abend war geprägt von seltsamen Gesprächen und noch seltsameren Andeutungen. Die Blackwoods sprachen in einem Ton, der höflich, aber distanziert war, und immer wieder fielen Sätze, die ich nicht ganz einordnen konnte.
‚Du scheinst neugierig zu sein, Sophie,‘ sagte Helena schließlich und legte den Kopf schief. ‚Das kann ein Geschenk sein. Oder ein Fluch.‘
Ich sah sie an, suchte nach einer Antwort, doch sie sprach weiter: ‚Manchmal sind die Antworten, die wir suchen, nicht die, die wir hören wollen.‘
*
› Ein unerwarteter Abschied
Als Nathan mich nach Hause fuhr, war ich voller Fragen, doch ich wusste, dass er mir keine Antworten geben würde.
‚Deine Familie… sie ist anders,‘ sagte ich schließlich.
Er nickte, seine Augen auf die Straße gerichtet. ‚Das ist wohl offensichtlich.‘
‚Was wollten sie von mir?‘
Nathan sah mich kurz an, dann sagte er: ‚Sie wollten sehen, ob du stark genug bist.‘
‚Für was?‘ fragte ich, doch er schwieg.
Als ich ausstieg und zu meinem Haus ging, hatte ich das Gefühl, dass dieser Abend nur der Anfang war. Und dass die Wahrheit über die Blackwoods dunkler war, als ich es mir vorstellen konnte.«
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