Die Dunkelheit erwacht

»Die Entscheidung, die ich getroffen hatte, fühlte sich wie ein Sprung ins Unbekannte an. Nathans Worte hatten mich gewarnt: Die Dunkelheit verlangt ihren Preis. Doch anstatt Angst zu spüren, durchströmte mich ein seltsames Gefühl von Neugier und Nervenkitzel.

In der folgenden Nacht lag ich wach in meinem Bett, während der Wind durch die Äste der Bäume rauschte. Meine Gedanken waren ein Wirbelsturm, und doch war da dieses leise, unterschwellige Ziehen – ein Ruf, den ich nicht ignorieren konnte.

Um Mitternacht hielt ich es nicht mehr aus. Ich zog mir eine Jacke über, schlüpfte in meine Schuhe und trat in die kalte Nacht hinaus.

› Die Einladung

Der Wald hinter unserem Haus war still, abgesehen vom Rascheln der Blätter und dem gelegentlichen Knarren eines Astes. Ich wusste nicht, wohin ich ging, doch es war, als würde mich etwas führen – eine unsichtbare Kraft, die mich tiefer in die Dunkelheit zog.

Dann sah ich ihn. Nathan stand in einer Lichtung, die von silbernem Mondlicht durchflutet war. Seine Haltung war ruhig, fast lässig, doch seine Augen hatten diesen intensiven Ausdruck, der mich jedes Mal aus dem Gleichgewicht brachte.

‚Ich wusste, dass du kommen würdest,‘ sagte er, ohne sich umzudrehen.

‚Ich hatte keine Wahl,‘ antwortete ich, während ich näher trat.

Er sah mich an, sein Blick durchdringend. ‚Du hattest immer eine Wahl, Sophie. Aber jetzt, wo du hier bist, gibt es kein Zurück mehr.‘

Ich schluckte schwer. ‚Was passiert jetzt?‘

Nathan lächelte schwach. ‚Jetzt lernst du die Wahrheit kennen.‘

› Die Offenbarung

Nathan hob eine Hand, und die Luft um uns herum schien sich zu verändern. Es war, als hätte jemand die Welt angehalten, und ein kühler Hauch zog über die Lichtung.

Plötzlich begann die Dunkelheit um uns herum zu pulsieren, fast wie ein lebendiges Wesen. Schatten bewegten sich, krochen über den Boden und schienen Nathans Bewegung zu folgen, als er die Hand langsam senkte.

‚Was… was ist das?‘ fragte ich, meine Stimme zitterte.

‚Die Dunkelheit,‘ sagte er leise. ‚Unsere Gabe. Unsere Bürde. Sie ist ein Teil von mir, ein Teil meiner Familie. Und jetzt… ist sie auch ein Teil von dir.‘

Ich wich einen Schritt zurück, doch die Schatten folgten mir, als hätten sie eine eigene Intelligenz.

‚Warum ich?‘ fragte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Nathan trat näher, seine Augen fest auf meine gerichtet. ‚Weil du sie nicht fürchtest. Weil sie dich gewählt hat, Sophie.‘

› Ein gefährlicher Test

‚Was, wenn ich nicht will?‘ fragte ich, meine Stimme nun lauter.

Nathan hielt inne, sein Gesicht wurde hart. ‚Es gibt kein Entkommen, Sophie. Die Dunkelheit hat dich gefunden, und sie wird dich nicht mehr loslassen. Aber du kannst lernen, sie zu kontrollieren – oder du wirst von ihr verschlungen.‘

‚Wie?‘

Nathan streckte die Hand aus. ‚Lass es mich dir zeigen.‘

Ich zögerte, doch dann legte ich meine Hand in seine. Eine Welle von Energie durchströmte mich, warm und kalt zugleich, und plötzlich fühlte ich, wie die Dunkelheit um uns herum reagierte. Sie bewegte sich, als würde sie meine Gedanken spüren, und für einen Moment hatte ich das Gefühl, sie lenken zu können.

Doch dann verlor ich die Kontrolle. Die Schatten wuchsen, breiteten sich aus wie eine Flutwelle, und ich hörte Nathans Stimme, die mich zurückholte: ‚Sophie, konzentriere dich!‘

Ich zog meine Hand zurück, und die Dunkelheit zog sich zurück, als wäre nichts passiert. Doch mein Herz raste, und meine Hände zitterten.

› Die Wahrheit wird deutlicher

Nathan sah mich an, seine Augen ernst. ‚Das war ein kleiner Vorgeschmack. Aber du bist stärker, als ich dachte.‘

‚Das war… beängstigend,‘ gab ich zu.

‚Es wird beängstigender werden,‘ sagte er. ‚Aber ich werde dir helfen. Ich werde dich schützen.‘

‚Vor was?‘ fragte ich.

Nathan schwieg, doch in seinem Blick lag eine Warnung, die mich frösteln ließ. ‚Vor dem, was kommen wird.‘

› Ein neuer Weg

Als ich zurück nach Hause ging, war mein Kopf voller Fragen. Die Dunkelheit hatte mich gefunden, wie Nathan gesagt hatte. Aber was bedeutete das für mich?

Eines war sicher: Meine Welt war nicht mehr dieselbe. Und der Weg, den ich gewählt hatte, führte in die Tiefe – in eine Dunkelheit, die ich noch nicht verstand, die mich aber unaufhaltsam in ihren Bann zog.«

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