Der Ruf der Dunkelheit

»Am nächsten Morgen fühlte ich mich, als hätte ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Das Bild von Nathan, der in der Dunkelheit unter meinem Fenster stand, ließ mich nicht los. Es war real gewesen – ich wusste es. Doch als ich hinausgesehen hatte, war er verschwunden, als hätte er nie dort gestanden.

In der Schule versuchte ich, ihn zu ignorieren. Doch das war unmöglich, denn kaum hatte ich die Cafeteria betreten, sah ich ihn. Er saß allein an einem Tisch in der Ecke, seine Augen auf ein Buch gerichtet. Es wirkte, als wäre er von einer unsichtbaren Grenze umgeben, die niemand zu überschreiten wagte.

Auch ich zögerte. Doch irgendetwas in mir wollte wissen, warum er mich beobachtet hatte. Warum er mich gewarnt hatte.

Ich atmete tief durch, nahm mein Tablett und ging auf seinen Tisch zu.

‚Ist hier noch frei?‘ fragte ich, und meine Stimme zitterte leicht.

Er sah auf, überrascht, doch er sagte nichts. Schließlich nickte er knapp.

› Eine erste Annäherung

Ich setzte mich, und für einen Moment war alles still. Ich hatte mir diesen Tisch ausgesucht, doch nun wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Schließlich sprach er zuerst.

‚Du bist mutig, Sophie,‘ sagte er, ohne den Blick von seinem Buch zu heben.

‚Mutig?‘ wiederholte ich. ‚Nur weil ich hier sitze?‘

Er sah auf, und in seinen Augen lag etwas, das mich erschreckte – eine Mischung aus Neugier und einem Hauch von Bedrohung. ‚Die meisten halten sich von mir fern.‘

‚Vielleicht sollte ich das auch tun,‘ sagte ich und versuchte, meinen Ton neutral zu halten.

Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. ‚Vielleicht.‘

Ich lehnte mich vor. ‚Was willst du von mir, Nathan? Warum warnst du mich? Warum warst du gestern Nacht vor meinem Fenster?‘

Sein Gesicht verhärtete sich. ‚Du solltest nicht alles hinterfragen, Sophie. Manchmal ist es besser, Dinge einfach so zu lassen, wie sie sind.‘

‚Ich kann nicht,‘ sagte ich fest. ‚Nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass etwas mit dieser Stadt, mit dir, nicht stimmt.‘

Sein Blick wurde dunkler, und er stand auf, nahm sein Tablett und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

› Unruhe in Hollow Falls

Am Nachmittag ging ich durch die Stadt, um einen klaren Kopf zu bekommen. Hollow Falls wirkte ruhig und friedlich, doch da war etwas unter der Oberfläche – ein Gefühl, das ich nicht benennen konnte.

Ich blieb vor einem kleinen Buchladen stehen, als ich plötzlich das Gefühl hatte, beobachtet zu werden. Langsam drehte ich mich um, doch niemand war da. Der Bürgersteig war leer, und die Straßen waren still.

Doch ich konnte schwören, dass jemand in der Nähe war.

› Ein unerwarteter Besuch

Als ich später nach Hause kam, wartete eine Überraschung auf mich. Mein Vater stand in der Küche, und an der Theke lehnte niemand Geringeres als Nathan.

‚Was macht er hier?‘ platzte ich heraus.

‚Nathan hat mir geholfen, den alten Schuppen im Garten zu reparieren,‘ sagte mein Vater, als wäre das das Normalste der Welt.

Nathan drehte sich zu mir um, seine Augen musterten mich, als hätte er meine Gedanken gelesen. ‚Ich habe ein paar Dinge repariert. Dein Vater meinte, ich könnte mich hier nützlich machen.‘

‚Wie nett,‘ sagte ich trocken.

Mein Vater schien die Spannung zwischen uns nicht zu bemerken. ‚Nathan, bleib doch zum Abendessen!‘

‚Nein!‘ sagte ich hastig, doch Nathan lächelte nur leicht.

‚Vielleicht ein anderes Mal,‘ sagte er, nahm seine Jacke und ging zur Tür. Doch bevor er ging, hielt er inne und sah mich an. ‚Pass auf dich auf, Sophie.‘

Seine Worte waren einfach, doch da war etwas in seinem Ton, das mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte.

› Ein dunkler Verdacht

In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich starrte aus dem Fenster, lauschte dem Wind, der durch die Bäume wehte, und dachte über alles nach, was passiert war.

Nathan wusste mehr, als er zugab – das war klar. Doch warum hatte er diese Warnungen ausgesprochen? Und warum hatte ich das Gefühl, dass hinter seinen Worten etwas Dunkleres lauerte?

Dann hörte ich es wieder. Schritte unter meinem Fenster. Ich sprang auf, riss die Vorhänge zur Seite – doch diesmal war niemand da.

Und doch wusste ich, dass ich nicht allein war.«

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