»Nach Lucians Verschwinden ließ mich seine Botschaft nicht los: „Du bist der Schlüssel.“ Was meinte er damit? War ich wirklich mehr als nur eine Trägerin der Dunkelheit? Und warum wollte er mir eine Wahl geben, die so verlockend wie gefährlich klang?
Nathan war wütend. Er sprach die ganze Rückkehr zum Blackwood-Anwesen kein Wort, doch ich konnte die Spannung in seiner Haltung spüren.
› Ein Konflikt mit Nathan
Als wir das Anwesen erreichten, explodierte die Stille schließlich.
‚Du hättest nicht mit ihm reden dürfen,‘ sagte Nathan, seine Stimme angespannt.
‚Was hätte ich denn tun sollen?‘ schoss ich zurück. ‚Er ist einfach aufgetaucht, und du hast ihn genauso wenig aufgehalten wie ich.‘
Nathan fuhr sich mit der Hand durchs Haar und begann, im Raum auf und ab zu gehen. ‚Du verstehst nicht, wie gefährlich er ist, Sophie. Lucian ist kein einfacher Feind. Er hat Macht, und er weiß, wie man sie benutzt.‘
‚Dann sag mir endlich die ganze Wahrheit!‘ forderte ich.
Nathan blieb stehen und sah mich an, seine Augen voller Frustration. ‚Die Wahrheit ist, dass Lucian dich will, weil er glaubt, dass du mehr bist als nur eine Trägerin. Er glaubt, dass die Dunkelheit durch dich mächtiger werden kann – dass du sie vollkommen beherrschen kannst.‘
‚Und warum sollte das schlecht sein?‘ fragte ich.
‚Weil niemand die Dunkelheit beherrschen kann, Sophie,‘ sagte Nathan leise. ‚Nicht ohne den Preis zu zahlen.‘
› Helena erklärt alles
Am nächsten Morgen fand ich Helena im großen Salon. Sie wirkte müde, als hätte sie die ganze Nacht nicht geschlafen, doch ihre Augen waren klar und wachsam.
‚Du willst wissen, warum Lucian dich will,‘ sagte sie, bevor ich überhaupt etwas sagen konnte.
Ich setzte mich ihr gegenüber. ‚Ja.‘
Helena atmete tief ein. ‚Die Dunkelheit ist mehr als eine Kraft. Sie ist eine alte, lebendige Energie, die sich ihre Träger aussucht. Sie hat dich gewählt, weil du etwas in dir trägst, das sie stärker machen kann – eine Verbindung, die sie mit niemandem sonst hat.‘
‚Was bedeutet das?‘ fragte ich.
‚Es bedeutet, dass du sie nicht nur tragen kannst, sondern dass du sie vollständig verstehen und kontrollieren könntest,‘ erklärte Helena. ‚Aber das hat seinen Preis. Die Dunkelheit gibt dir Macht, doch sie nimmt dir auch etwas. Deine Menschlichkeit, deine Seele – alles, was dich zu dir selbst macht.‘
Ein Schauer lief mir über den Rücken. ‚Und Lucian will, dass ich das akzeptiere?‘
‚Ja,‘ sagte Helena. ‚Weil er glaubt, dass du die Dunkelheit zu etwas machen kannst, das er für seine eigenen Zwecke nutzen kann.‘
› Eine Entscheidung rückt näher
Ich verbrachte den Rest des Tages allein, meine Gedanken ein Chaos aus Angst, Zweifel und Wut. Ich hatte nie um die Dunkelheit gebeten, doch jetzt schien sie das Zentrum meines Lebens zu sein.
Am Abend kam Nathan zu mir. Er wirkte ruhiger als zuvor, doch in seinen Augen lag noch immer Sorge.
‚Ich hätte nicht so wütend auf dich sein sollen,‘ sagte er.
‚Du hast recht,‘ antwortete ich trocken, doch ein kleines Lächeln spielte auf meinen Lippen.
Nathan setzte sich neben mich. ‚Was auch immer Lucian dir gesagt hat, Sophie, du darfst ihm nicht glauben. Er wird alles tun, um dich auf seine Seite zu ziehen.‘
‚Und was, wenn er recht hat?‘ fragte ich.
Nathan sah mich lange an. ‚Ich weiß nicht, was du bist, Sophie. Aber ich weiß, dass du stark genug bist, die Dunkelheit zu tragen, ohne dich von ihr beherrschen zu lassen.‘
› Eine Botschaft von Lucian
Später in der Nacht fand ich eine Nachricht auf meinem Fensterbrett – ein einzelnes Blatt Papier, das von einem kalten Wind getragen worden war.
„Sophie, die Wahrheit wartet. Ich werde auf dich warten, am Ort, wo die Dunkelheit geboren wurde. – Lucian“
Ich hielt die Nachricht in den Händen, und mein Herz schlug schneller. Ich wusste, dass ich eine Wahl hatte. Ich konnte Lucians Angebot ignorieren und mich auf Nathan und Helena verlassen – oder ich konnte der Dunkelheit selbst ins Auge sehen und herausfinden, was sie wirklich wollte.
Am nächsten Morgen stand mein Entschluss fest.
‚Ich werde zu ihm gehen,‘ sagte ich zu Nathan, als wir uns auf der Lichtung trafen.
Sein Gesicht verhärtete sich. ‚Sophie, das ist ein Fehler.‘
‚Vielleicht,‘ gab ich zu. ‚Aber ich muss wissen, wer ich wirklich bin. Und das kann ich nur herausfinden, wenn ich ihm gegenübertrete.‘
Nathan schwieg, doch in seinen Augen lag ein Hauch von Resignation. ‚Dann komme ich mit dir.‘
Ich schüttelte den Kopf. ‚Nein, Nathan. Das muss ich allein tun.‘
› Die Reise beginnt
Am Abend machte ich mich auf den Weg. Lucian hatte geschrieben, dass er mich am Ort erwartete, wo die Dunkelheit geboren wurde – und ich wusste, dass er die alte Höhle am Rand des Waldes meinte, die in den Legenden von Hollow Falls immer wieder erwähnt wurde.
Mit jedem Schritt durch die Dunkelheit spürte ich, wie die Schatten sich enger um mich legten, als wollten sie mich willkommen heißen.
Als ich die Höhle erreichte, stand Lucian am Eingang, sein Gesicht von einem unheimlichen Lächeln gezeichnet.
‚Du bist gekommen,‘ sagte er.
‚Ich will Antworten,‘ sagte ich fest.
Lucian trat beiseite und deutete auf den Eingang der Höhle. ‚Dann komm, Sophie. Lass mich dir zeigen, was du wirklich bist.‘
Ich atmete tief ein und trat in die Dunkelheit hinein.«
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