Plötzlich wurde Mirandas Gesichtsausdruck ernst.
„Sag mal, Devin… diejenige, für die du damals Saras Gefühle mit Füßen getreten hast – bist du noch mit ihr zusammen?“
Devin sah sie überrascht an. „Nein, schon lange nicht mehr. Ich habe gehört, dass sie geheiratet hat. Sie hat jetzt ein Kind.“
Mirandas Augen blitzten auf, ihre Stimme wurde schärfer. „Und während du ihr nachgetrauert hast, war meine beste Freundin all die Jahre verletzt und hat kein einziges Wort darüber verloren. Und du erwartest, dass ich dich verstehe?“
Er wollte etwas sagen, doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Nicht einmal ‚Ich liebe dich‘ hat sie dir damals sagen können, und du hast sie eiskalt stehen lassen. Und jetzt? Jetzt sagt sie, dass sie nicht mehr an die Liebe glaubt – wegen DIR!“
Devin blinzelte. „Hat sie das wirklich gesagt?“
Miranda schnaubte. „Was denkst du? Glaubst du, ich erfinde das?“
Er hob abwehrend die Hände. „Reg dich ab, ich rede doch ganz normal mit dir.“
„Dann hör mir gut zu, Devin.“ Sie beugte sich vor, ihre Stimme war jetzt fast ein Flüstern, doch jedes Wort saß wie ein Stich. „Ein Mann, der sich wirklich entschuldigen will, tut alles, was nötig ist – selbst wenn es unmöglich erscheint. Und wenn er liebt…“
„Ich habe keine Gefühle für sie.“ Seine Stimme klang härter, als er es beabsichtigt hatte.
Miranda atmete tief durch, dann knallte sie die flache Hand auf den Tisch. „Dann stirb halt noch einmal – aber diesmal wird dich niemand retten. Verflucht sei deine Sturheit, hoffentlich gibt es keinen zweiten wie dich!“
Mit diesen Worten stand sie auf und marschierte davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Devin blieb allein zurück. Der Wind strich kühl durch die Blätter, doch das Einzige, was er spürte, war das Chaos in seinem Kopf.
••••
Devin saß reglos da. Die Worte hallten noch in seinem Kopf nach.
“Dann stirb halt noch einmal – aber diesmal wird dich niemand retten.”
Er lehnte sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. Der Schmerz in seinem Nacken war nichts im Vergleich zu dem, was in seiner Brust wühlte. War es Wut? Reue? Oder einfach nur das Gefühl, dass er die Kontrolle verloren hatte?
Er hatte geglaubt, er hätte die Vergangenheit hinter sich gelassen. Doch in dem Moment, als Miranda Saras Namen ausgesprochen hatte, war alles wieder da gewesen – als hätte jemand ein Fenster geöffnet, durch das die Erinnerungen wie ein Sturm hereingebrochen waren.
Sein jüngeres Ich, das arrogante Lächeln, mit dem er Saras Gefühle abgetan hatte. Ihr Blick, als hätte er ihr die Luft zum Atmen genommen. Die Art, wie sie sich damals abgewandt hatte – mit einer Haltung, die fast stolz wirkte, doch ihre Augen hatten eine andere Sprache gesprochen.
„Verdammt.“ Devin fuhr sich mit der Hand durchs Haar und atmete tief durch.
Er hatte sich damals nie entschuldigt. Einfach weitergemacht, als wäre nichts passiert. Doch jetzt, nach all den Jahren, hatte sie ihm das Leben gerettet – und nicht einmal gewusst, wer er war.
Vielleicht war das besser so.
Oder vielleicht war es die größte Strafe, die er sich hätte vorstellen können.
„Hast du genug frische Luft geschnappt, oder brauchst du noch einen Moment?“
Die Stimme seines Bruders Arino riss ihn aus seinen Gedanken. Devin öffnete die Augen und sah ihn neben sich stehen, mit verschränkten Armen und diesem typischen, leicht genervten Blick.
„Seit wann stehst du da?“ fragte Devin.
Arino setzte sich neben ihn. „Lange genug, um mitzubekommen, dass du mal wieder alles vermasselt hast.“
Devin schnaubte. „Halt den Mund.“
Arino lachte leise. „Sie hat dich ganz schön auseinandergenommen, was?“
„Nicht der Rede wert.“
„Sicher.“ Arino musterte ihn kurz und lehnte sich dann zurück. „Weißt du, du bist manchmal echt ein Idiot. Aber wenn du denkst, dass du nichts mehr tun kannst, dann irrst du dich gewaltig.“
Devin runzelte die Stirn. „Und was soll ich tun?“
Arino zuckte die Schultern. „Wenn du wirklich wissen willst, wie es ihr geht, dann frag sie doch einfach selbst.“
„Denkst du wirklich, sie will mit mir reden?“
Arino grinste schief. „Wahrscheinlich nicht. Aber hey – ein echter Mann tut alles, was nötig ist, nicht wahr?“
Devin sagte nichts. Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass sein Bruder recht hatte.
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